{"id":297,"date":"2007-03-04T16:24:40","date_gmt":"2007-03-04T15:24:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.per-net.ch\/blog\/?p=297"},"modified":"2007-03-04T16:24:40","modified_gmt":"2007-03-04T15:24:40","slug":"abgebrochenes-iglu-vollmond-romantic-weekend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.per-net.ch\/blog\/2007-297\/abgebrochenes-iglu-vollmond-romantic-weekend\/","title":{"rendered":"Abgebrochenes Iglu Vollmond Romantic Weekend"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" alt=\"Sertig-Iglu\" id=\"image296\" src=\"http:\/\/www.per-net.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/03\/setig-iglu.jpg\" \/><\/p>\n<p>Geplant war eine romantische Schneeschuhwanderung im Vollmond mit anschliessender &#220;bernachtung im Iglu, von Samstag- auf Sonntagnacht. Der Zufall wollte es, dass gerade dieser Vollmond mit einer totalen Mondfinsternis zusammen fiel. Also perfekte Vorzeichen, wenn nicht die widerlichen Wetterprognosen das Abenteuer von Anfang an unter einen schlechten Stern gestellt h&#228;tten. Trotz allem, machte ich mich mit Jakob am Freitagmorgen auf den Weg nach Sertig, bei Davos. Von dort stiegen wir noch eine gute Dreiviertelstunde mit den Schneeschuhen Richtung Gr&#252;nsee auf, bis wir auf kanpp 2100 Metern eine geeignete Stelle fanden und mit dem Iglubau begannen.<\/p>\n<p><!--more-->Die erste Arbeit ist immer, den Iglubauplatz sch&#246;n festzutreten. Zum einen um das Iglu auf eine solide Unterlage zu stellen und zum anderen um den pulvrigen Schnee zu pressen, damit er sich bindet und fest genug wird um ihn zu Bl&#246;cken zu s&#228;gen. Alles schien prima. Das Wetter spielte mit und wurde von Stunde zu Stunde besser. Der Schnee schien perfekt; an unserer Baustelle lag ein knapper Meter davon. Aber der Schein tr&#252;gte: nur die obersten gut 20 cm konnten zum Bauen verwendet werden. Darunter lag, wie schon in Realp, k&#246;rniger, eisiger Schwimmschnee, der sich in keiner Weise verbinden wollte und einfach wegbr&#246;selte.<\/p>\n<p>Nun gut, wir waren ja guter Dinge und begannen mit unserem Monsterbau. Als der Grundkreis mal gelegt war, &#252;berkamen uns Zweifel, ob wir das ganze nicht eine Nummer zu gross bauen w&#252;rden. Wir beschlossen aber auf diesem Grundriss weiter zu bauen. Die Abbaufl&#228;che f&#252;r unsere Schneebl&#246;cke mussten wir in der Folge noch dreimal vergr&#246;ssern. Die Zeit rannte uns davon. Bei Sonnenuntergang hatten wir die W&#228;nde gerade mal bis zur H&#228;lfte hochgezogen. Wir hatten den Aufwand f&#252;r ein Iglu dieser Gr&#246;sse v&#246;llig untersch&#228;tzt. Zudem war der Schnee extrem schwer zu verarbeiten und wir hatten grosse Probleme als die Neigung der Kuppel immer mehr zunahm, die Steine so zu platzieren, dass sie auch hielten. Der Schnee war so kalt, dass er sich kaum mit den anderen Bricks verband und manche Steine hielten nicht und krachten ins Iglu. In den meisten F&#228;llen hies dies nat&#252;rlich, dass der Klotz kaputt ging und erst wieder ein neuer ges&#228;gt werden musste. Beim ganzen Bau gingen sicher 30 Bl&#246;cke drauf, was viel Zeit, Nerven und Energie kostete. Der Frust stieg, die Anzahl der Zigarettenpausen auch. Aber unser Ego liess es nicht zu abzubrechen. Die Stimmung stieg wieder als der Mond kurz nach dem Eindunkeln aufging und das Tal so hell erleuchtete dass der Schnee im Mondlicht zu glitzern begann und sogar Schatten warf.<br \/>\nDer Mondschein erleuchtete unsere \u00abBaustelle\u00bb so hell, dass man zum Bl&#246;cke s&#228;gen nicht mal die Stirnlampe brauchte. So machten wir also weiter und bauten aus Angst dass das Iglu zu hoch werden w&#252;rde dann zu schnell nach innen, was am Schluss fast in einer Flachdachkonstruktion endete, die mit diesem kalten Schnee einfach nicht mehr zu machen war. Die letzten 3 Stunden verbrachten wir damit die circa 90 cm grosse Dachlucke zu schliessen. Dem Verzweifeln nahe und etliche Dacheinst&#252;rze sp&#228;ter schafften wirs dann morgens um halb Vier unser Iglu endlich zu schliessen. Komplett kraftlos mit R&#252;cken-, Muskel und Knieschmerzen und einer endlosen M&#252;digkeit m&#252;mmelte ich mich dann in meinen Schlafsack. Dumm war nur, dass wir keine Kraft mehr hatten die Ritzen abzudichten, denn zu allem &#220;berfluss hatte es inzwischen zu Schneien begonnen. Und das &#220;ble war, dass die verdammten Schneeflocken durch die kleinsten Ritzen ins Iglu rieselten. Als ob sich die Schneeflocken daraus ein Spiel machten und genau diese Ritzen anvisierten um uns zu &#228;rgern. Mein Schlafsack ist nat&#252;rlich nicht wasserdicht und jede Flocke machte das Ding ein bisschen feuchter. Aber ich war einfach zu m&#252;de um mich nochmal aufzurappeln. Denn abdichten h&#228;tte geheissen, Schlafsack wegr&#228;umen, Thermarest weg, Plache zusammenlegen und dann versuchen mit dem ausgetrockneten Schnee die Ritzen zu stopfen, was kaum m&#246;glich war, denn der Schnee war inzwischen derart kalt und trocken, dass er sich nicht in die Ritzen stopfen liess und gleich wieder herausrieselte. Es ging einfach nicht mehr und ich schwor mir, wenn ich am morgen aufwachen w&#252;rde und alles Nass und Feucht w&#228;re, sofort den Rucksack zu packen und abzubrechen.<\/p>\n<p>Trotz kurzen Unterbrechnungen und kleineren Fr&#246;stelanf&#228;llen schlief ich bis gegen halb elf fast durch. Nat&#252;rlich qu&#228;lte mich eine volle Blase. Aber zuerst kochten wir noch feste im Schlafsack eingem&#252;mmelt Wasser f&#252;r einen Kaffee. Unsere Jacken waren ziemlich feucht und die Lust die warmen F&#252;sse in durchgefrorene Schuhe zu stecken war eher m&#228;ssig. Somit die &#220;berwindung sich aus dem warmen Schlafsack zu puhlen fast unendlich gross. Also K&#228;ffchen im liegen, dazu ne halbe Packung K&#228;gifrettlis. Das brachte den Mechanismus so langsam wieder in Gang. Das anziehen der kalten Kleider war dann doch nicht ganz so schlimm, wie man es sich im warmen Schlafsack noch vorgestellt hatte.<\/p>\n<p>Draussen war es merklich w&#228;rmer geworden und die Temperatur auf ein paar Grad &#252;ber Null gestiegen. Himmel bew&#246;lkt, leichtes Schneegeriesel. Jakob und ich diskutierten &#252;ber unsere Flachdachkonstruktion, die sich wohl auch durch die extrem gestiegenen Temperaturen und ihr Gewicht einen gesch&#228;tzten knappen halben Meter abgesenkt hatte. Nach einigem Hin und Her beschlossen wir, die zu gerade nach innen gebauten Bl&#246;cke nochmal abzureissen und neu aufzubauen. So bauten wir die letzten 4 Reihen wieder ab und begannen die Konstruktion auszubessern. Leider schlug dann eine gute halbe Stunde sp&#228;ter das Wetter dermassen um, dass an ein weiterbauen kaum mehr zu denken war. Extremer Wind und Schneetreiben vermiessten uns die Stimmung ein weiteres mal. Die Temperatur sank fast innert Minuten wieder auf unter Null und es war dermassen garstig, dass wir uns schweren Herzens entschlossen unser Unterfangen abzubrechen und Sonja, Erci und Lea f&#252;r die abendliche Schneeschuhwanderung und das Iglu-Fondueessen abzusagen. So packten wir gegen 14 Uhr unsere sieben Sachen wieder zusammen und verliessen, unser zwischenzeitlich wieder halb abgebautes Iglu.<\/p>\n<p>Trotz allem verbrachten wir dann einen gem&#252;tlichen Abend mit Fondue und sp&#228;terem Mondfinsternisgucken bei Lea. Ich m&#246;cht nicht wissen, wie sich das Wetter im Sertigtal noch entwickelt h&#228;tte, denn wenn es wirklich bis zur Mondfinsternis wieder aufgerissen h&#228;tte, w&#252;rd&#8217;s mich grausam wurmen, dass wir die &#220;bung abgebrochen hatten. Aber ich denke trotz allem dass der Entscheid wenigstens vern&#252;nftig war. Die n&#228;chsten 14 Tage muss mir aber niemand mehr mit Iglubauen kommen. Diesen Stress und eine so kr&#228;fteraubende Geschichte muss ich jetzt erst mal verdauen, aber wir werden dieses Abenteuer ganz bestimmt nochmal bei besseren Bedingungen in Angriff nehmen. Und nat&#252;rlich nie mehr, zu zweit versuchen ein Iglu f&#252;r 5 Personen zu bauen. Des ist definitiv zu viel und zu schwere Arbeit f&#252;r einen B&#252;rogummi wie mich.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/gp\/66391969@N00\/eFZ3G9\">Fotos, wie immer bei flicker, mehr gibts dann noch von Jak.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geplant war eine romantische Schneeschuhwanderung im Vollmond mit anschliessender &#220;bernachtung im Iglu, von Samstag- auf Sonntagnacht. Der Zufall wollte es, dass gerade dieser Vollmond mit einer totalen Mondfinsternis zusammen fiel. Also perfekte Vorzeichen, wenn nicht die widerlichen Wetterprognosen das Abenteuer von Anfang an unter einen schlechten Stern gestellt h&#228;tten. 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